How to Speak [Di'zain]

Was ist Print?

In der Premierenfolge von „How to speak [DI’ZAIN]“ klären wir, was man unter Print versteht, wofür man Print im Business nutzt und wie Printmedien entstehen.

Lesedauer: ca. 12 Minuten

Das versteht man unter "Print"

Print kommt ursprünglich aus dem englischen und Bedeutet übersetzt „Druck“. Damit ist schlicht alles gemeint, was man mit Farbe auf ein Medium übertragen kann. Das muss nicht immer Papier sein. Auch unsere morgens heiß geliebte Kaffeetasse wird mittels (und jetzt nicht lachen) Tampondruckverfahren bedruckt.

Revolutioniert wurde der Buchdruck in Deutschland von keinem geringerem als Johannes Gutenberg. Doch war er um 1450 wirklich der Erste, der bewegliche Lettern nutze, um Informationen möglichst einfach zu vervielfältigen? Leider nein, denn bereits vor rund 2.200 Jahren nutzten die Chinesen eben solche bewegliche Lettern für ihre Drucke.

was ist Print Genau?

Nun, am häufigsten treffen wir auf Printmedien am Zeitungsstand, als unmöglich gefalteter Beipackzettel unserer Kopfschmerztabletten oder als Rechnung in unserem Briefkasten. Ja, auch Briefe gehören zur Kategorie Print.

Okay, du musst mich für absoluten Vollhonk halten, dass ich dir tatsächlich ausführlich erklären will, was Print ist. Ich denke, im Allgemeinen haben wir alle verstanden, worum es geht. Doch was ist Print für einen Designer?

Als ich meine Ausbildung in einer kleiner Werbeagentur begann, habe ich zwar allerhand Printmedien gestaltet, jedoch nur selten selbst etwas davon in meinen Händen halten können. Und genau wie mir, geht es den meisten Designern, die sich mit der Gestaltung von Printprodukten beschäftigen. Sie sehen ihr Werk selbst nur selten und haben ein eher digitales Verständnis von der Materie Print. Damit mir das nicht auch so ergeht, habe ich zunächst einen Schnuppertag in einer Druckerei gemacht und bin letztendlich für mein letztes Ausbildungsjahr komplett gewechselt. Erst dort habe ich Print als Medium wirklich kennen und lieben gelernt. Und was Print seit jeher für mich bedeutet und jedem Designer ebenso bedeuten sollte, möchte ich dir jetzt zeigen.

Print ist so viel mehr als Farbe auf Papier

Print ist fassbar, riechbar und unglaublich vielseitig. Und genau mit diesen Eigenschaften, hebt es sich wohl am deutlichsten von den digitalen Medien ab. Klar, die digitalen Medien bieten mehr Oberfläche und durch die verwendete Technik geradezu eine Flut an darstellerischen Möglichkeiten. Während man auf dem Papier lediglich Informationen mittels Schrift, Grafik und Bild übermitteln kann, lassen sich selbige Infos in einem Video wesentlich schneller und einfacher rüberbringen. Und da wären wir auch schon beim großen Nachteil von Print.

Print ist Unbeweglich, starr und aus der Mode gekommen.

Doch stimmt das wirklich? Selbst in Zeiten der Digitalisierung, stirbt Print nicht aus. Im Gegenteil, ihm wird wieder mehr Bedeutung zu Teil, da es gegenüber den digitalen (sozialen) Medien für Wahrheit und Ruhe steht. Wir wissen mittlerweile nicht mehr, was wir glauben sollen. Überall begegnen uns Fake News und ein tolles Video, welches wir letzte Woche gesehen haben, lässt sich in der Flut an weiteren, seit dem veröffentlichten Videos nicht mehr wiederfinden. Aber ein Buch in deinem Bücherregal wird dort noch einige Jahre zu finden sein und ein Kinderbuch wird in der selben Zeit nicht unmoderner (Beispiel: Die Märchen der Gebrüder Grimm).

Was macht Print so ansprechend?

Die Antwort ist ganz einfach: Print berührt uns emotional. Es geht auf unsere Psyche ein und spricht uns auf so viel mehr Ebenen als der sichtbaren an. Je nach verwendetem Papier beispielsweise, wirkt eine Broschüre hochwertig, natürlich oder billig. Es gibt sogar Druckfarben, die bei Berührung duften. Oder veredeln wir das Cover einer Broschüre mit partiellen Lacken, so wirkt es gleich noch exklusiver auf uns. Kannst du eine Webseite mit geschlossenen Augen erleben? Wohl eher nicht, ein Printprodukt kann dir dieses Erlebnis liefern. Und noch etwas; ein Printprodukt kannst du mit nach Hause nehmen. Es löst bei uns das Gefühl des besitzens aus, welches bei einem Digitalmedium eher ausbleibt.

Dafür wird Print im Business genutzt

Am ehesten begegnen wir Print im Business in Form von Geschäftsdrucksachen. Darunter versteht man Visitenkarten, Briefbögen, Vordrucke für Rechnungen, Lieferscheine und so weiter. Und auch wenn der Trend immer mehr zum papierlosen Büro geht, so lässt sich im Business nicht vollständig auf Papier und damit auf Print verzichten.

Wichtiger noch ist Print in der Werbebranche. Denn dort nimmt es eine strategische Position ein. Vor jeder Werbemaßnahme wird geprüft, welches Medium die anzustrebende Zielgruppe am ehesten erreicht und wie ihnen damit die entsprechenden Informationen nutzbar gemacht werden sollen. Erst wenn geklärt ist, welche Wirkung bei der Zielgruppe erzeugt werden und was der Empfänger mit dem Druckerzeugnis tun soll, kann die kreative Arbeit beginnen.

Print

So entsteht ein Printprodukt

Nehmen wir mal an, man hat bereits ein ungefähres Bild von dem Endprodukt im Kopf, so beginnt dennoch jedes Printprojekt mit immer der selben Frage: Welches Format soll es sein? Und da wären wir schon bei dem ersten Unterschied, den ein Printprojekt ganz klar von einem digitalen Projekt trennt. Denn Dank des Responsive Webdesigns gestalten wir Webdesigner eine Webseite völlig unabhängig von starren Bildschirmgrößen. Wie könnten wir das auch, wo es doch mittlerweile unzählig viele mögliche Bildschirmdiagonalen und Proportionen gibt.

Im Print haben wir ein einheitliches System eingeführt, welches Papierformate standartisiert. Es wurde bereits 1922 in der DIN-Norm DIN 476 festgelegt und beschreibt für jedes Format ein grundlegendes Seitenverhältnis von 1:√2. Das bekannteste System dieser Norm ist sicherlich das DIN A-System. Unsere Rechnungen trudeln in DIN A4 bei uns ein. Und als Kinder haben wir alles auf DIN A3-Zeichenblöcken gemalt. Andere Länder hingegen besitzen auch ein eigenes einheitliches System für Papierformate, allerdings nicht immer unsere DIN-Norm. Die USA beispielsweise nutzen ein Zoll-basiertes Format, welches nicht immer das selbe Seitenverhältnis aufweist. Klingt verrückt, ich weiß. Ihr Standardbrief ist zudem etwas breiter, dafür aber auch kürzer als unser bekanntes DIN A4.

Zurück zu unserem Projekt. Wir stellen uns vor, eine Floristin möchte zum Valentinstag einen Flyer mit möglichen Blumensträußen bewerben. Sie möchte also, dass ich den Flyer für sie erstelle. Was muss ich jetzt für die Realisierung beachten? Für mich als Designerin stellt sich zuallererst die Frage, woher die Inhalte kommen, ob Bilder und Texte vom Kunden geliefert oder von mir erstellt werden sollen. Je nach Menge der Inhalte schlage ich mögliche Formate für den Flyer vor.

Zu beachten ist ebenfalls, ob es sich bei dem Flyer um ein einfaches Blatt handeln oder ob es gefalzt und damit aufgeklappt werden soll. Entscheidet sich die Kundin für einen gefalzten Flyer und soll der Flyer zudem mehr als 4 Seiten haben, so stehen uns hierfür ebenfalls eine große Auswahl an möglichen Falzarten zur Verfügung. Sagen wir mal, sie hat sich für einen klassischen Flyer im geschlossenen DIN A5 lang Format mit Wickelfalz entschieden, so weiß ich nun, welchen Spielraum ich für die Inhalte zur Verfügung habe und kann, sofern mir die entsprechenden Inhalte wie Texte, Bilder und Grafiken vorliegen, einen ersten groben Entwurf erstellen.

Bevor also der Flyer Form annimmt, müssen bereits sehr viele Fragen vorab geklärt werden. Manchmal ist es sogar wichtig zu wissen, welches Papier verwendet werden soll. Dies kann nämlich Einfluss auf die Bildbearbeitung und Farbauswahl nehmen. Ist der Entwurf von der Kundin abgenommen, geht es an das Layouten. Bei einem Layout wird der grobe Entwurf reingezeichnet, sprich in „Schön“ umgesetzt. Häufig nutzt man dafür ein Gestaltungsraster, welches mir als Designer bei der Ausrichtung und Anordnung von Elementen hilft. Hat die Floristin Farben und Schriften, die sie immer benutzt, finden diese zur Wiedererkennung ebenfalls im Flyer Verwendung. Geliefertes Textmaterial wird von mir Korrektur gelesen und in den Flyer sinnvoll und gut lesbar platziert.

Bilder müssen für den Druck häufig angepasst werden, da diese zumeist nicht im richtigen Farbsystem abgespeichert sind. Ändert man dieses Farbsystem, kann es ebenfalls dazu kommen, das Farben falsch dargestellt werden. Auch muss hier wieder das verwendete Papier beachtet werden, da einige Papiere Bilder dunkler erscheinen lassen. In diesem Fall bearbeite ich die Bilder in einem Bildbearbeitungsprogramm nach.

Habe ich den Flyer dann wie besprochen gesetzt, bekommt die Floristin ihn als PDF zur Ansicht zugeschickt. Nach ihrer Freigabe speichere ich den Flyer als sogenanntes Druck-PDF ab und schicke es der Druckerei. In der Druckerei wird der Flyer auf technische Aspekte untersucht und anschließend ein Digitalproof erstellt. Ein Digitalproof ist nichts anderes als eine Nachahmung dessen, wie der Flyer als reales Produkt aussehen wird. In meinen Augen sind Digitalproofs jedoch immer etwas mit Vorsicht zu betrachten, da diese eine Datei darstellen, die sich ein Kunde auf seinem Bildschirm, welches in der Regel nicht Farbkalibriert ist, anschaut. Mögliche Farbabweichungen kann der Kunde also nicht wahrnehmen, lediglich den Stand seiner Inhalte kontrollieren. Wenn es um technische Aspekte wie Überdrucken oder Aussparungen geht, mag ein Digitalproof ausreichen, in den Fällen, wo eine Farbsicherheit notwendig ist, sollte immer ein Farbproof bevorzugt werden. Ein Farbproof ist ein physischer Ausdruck des endgültigen Flyers. Er wird auf hochwertigem Proofpapier gedruckt und gibt die Farben eins zu eins wieder. Ist der Proof fehlerfrei, so gibt man der Druckerei die finale Druckfreigabe und kann den fertigen Flyer bereits nach wenigen Tagen in den Händen halten.

Wie du siehst, gehört zur Produktion eines simplen Flyers eine Menge mehr dazu, als Texte und Bilder hübsch auf einem Blattpapier zu arrangieren. Es sind viele technische Aspekte zu beachten, von den Gestalterischen mal ganz abgesehen. Wie dies im Detail aussieht möchte ich dir in den nächsten Folgen von „How to speak [DI’ZAIN]“ genauer zeigen. In der nächsten Folge geht es dann um Papier. Welche unterschiedlichen Papiersorten gibt es, wofür werden sie Verwendet, wie wird Papier verarbeitet und welche Veredelungen gibt es?